Die Umwelt profitiert von Niedrigtemperatur-Asphalt

Drei neue besonders umweltfreundliche Straßenbaustoffe werden in Europa immer populärer. Ein Kaltasphalt namens Tayset setzt sich in Schottland durch, der warme Belag „Green Asphalt“ findet in Schweden breite Verwendung und ein halbwarmer Baustoff – LT-Asfalt – profitiert von neuen Umweltgesetzen in den Niederlanden.

Drei neue besonders umweltfreundliche Straßenbaustoffe werden in Europa immer populärer. Ein Kaltasphalt namens Tayset setzt sich in Schottland durch, der warme Belag „Green Asphalt“ findet in Schweden breite Verwendung und ein halbwarmer Baustoff – LT-Asfalt – profitiert von neuen Umweltgesetzen in den Niederlanden.

Alle drei Baustoffe wurden so konzipiert, dass sie die gleichen Leistungseigenschaften wie traditioneller Heißmischasphalt erfüllen. Allerdings werden die neuen Produkte bei bedeutend niedrigeren Temperaturen gemischt und eingebaut. Das spart nicht nur Energie und Kosten, sondern verringert auch den CO2-Ausstoß in die Atmosphäre.

Tayset

Tayset wird vom öffentlichen schottischen Straßenbauunternehmen Tayside Contracts unter Verwendung von Recycling-Fräsasphalt und dem Nynas-Bindemittel Nymuls CP hergestellt. Aufgrund der Produktionstemperatur unter 50° C wird das Material als ‚Kaltmischung’ bezeichnet. Tayset wurde im Rahmen eines Know-how-Transfers zwischen Tayside Contracts, Nynas und der Universität Dundee entwickelt und kam erstmals bei einem Parkplatz-Projekt in Stirling zum Einsatz. Danach wurde es als Tragschicht bei der Erneuerung der Fernverbindung A90 ausgeschrieben.

Richard Cranney, der stellvertretende Leiter von Tayside Contracts, erklärt: „Tayset enthält 80 % wiederverwerteten Fräsasphalt und benötigt sehr wenig Rohstoffe. Traditionelle Kaltmischungen werden vor Ort recycelt, zeigen jedoch oft keine sehr guten Leistungseigenschaften.

Wir wollten einen Hochleistungs-Baustoff herstellen, der als direkter Ersatz für Heißmischasphalt dienen kann. Entsprechend transportieren wir das Fräsgut von der Straße zurück in unser Mischwerk, wo wir spezielle Ausrüstungen für die Aufbereitung des Asphalt mit Bitumen-Bindemitteln einsetzen.“

Nymuls CP enthält eine Emulsion, die das Mischen des Bitumens mit Mineralstoffen und Ausbauasphalt bei Umgebungstemperaturen ermöglicht. Laut Richard Cranney lässt sich Tayside ebenso schnell einbauen wie herkömmlicher Heißasphalt und hat eine Lagerfähigkeit von bis zu vier Wochen.

„Mit Tayset haben wir sehr wenig Materialverlust”, fügt Cranney hinzu. „Wenn 10 Tonnen Heißmischasphalt übrig bleiben, können Sie diese nicht mehr weiter verwenden. Mit Tayset bauen Sie den Rest irgendwo anders ein.“

Green Asphalt

In Schweden ist ‚Green Asphalt’ – ein ‚Warmasphalt’ des Straßenbauers NCC – ein anderer Autobahn-Baustoff mit guten Umwelt-Bewertungen. Nynas liefert dabei ein aufschäumfähiges Bitumen, das bei 30° bis 50° C niedrigeren Mischtemperaturen gegenüber herkömmlichen Heißmischungen mit den Mineralstoffen verarbeitet wird. Dabei behält das Produkt die niedrige Viskosität, die eine gute Adhäsion zwischen Bindemittel und Gestein gewährleistet.

Die Verringerung der Produktionstemperatur um 30° C soll dabei den Energieverbrauch um 20 % reduzieren. Zusätzlich stellen sich um rund 30 % geringere CO2-Emissionen ein, der Stickoxid-Ausstoß fällt um 70 % und die Schwefeldioxid-Belastung wird um 35 % gesenkt.
Fast 50.000 Tonnen Green Asphalt wurden im Verlauf der vergangenen beiden Straßenbau-Saisons auf Fernstraßen und lokalen Straßen eingebaut. Der Leiter der NCC-Entwicklungsabteilung Nils Ulmgren erklärt: „Im vergangenen Jahr konnten wir ein steigendes Interesse an dem Baustoff verzeichnen, insbesondere in Nordschweden. Green Asphalt ist ein sehr vielseitiges Produkt, dass als Trag-, Binder- und Deckschicht eingesetzt werden kann.“

Nils Ulmgren unterstreicht, dass Green Asphalt in der Qualität vergleichbar zu herkömmlichem Heißmischasphalt ist, obwohl er bei einer niedrigeren Temperatur hergestellt wird.

Green Asphalt kann mit derselben Ausrüstung in der exakt gleichen Weise wie herkömmlicher Heißasphalt eingebaut werden. Gerade das macht es das entscheidende Bisschen einfacher, die Kunden bei der Ausschreibung des Produkts zu überzeugen.

LT-Asfalt (auch LT-Asphalt genannt)

In den Niederlanden setzt sich eine halbwarme Mischung namens LT-Asfalt als geeigneter Baustoff für Straßenbau und -instandhaltung immer mehr durch. Das Produkt wird unter Verwendung des Nynas-Bindemittels Nyfoam bei rund 90° C in einer normalen Heißmischanlage hergestellt.

Das Aufschäumen des Bindemittels verringert dabei die Viskosität des Bitumens und umschließt das Gestein gleichmäßig bei der niedrigeren Temperatur.

Derk Goos vom Technischen Service bei Nynas Bitumen in Brüssel erklärt: „LT-Asfalt zeigt vergleichbare Leistungswerte wie herkömmlicher Heißasphalt. Er benötigt jedoch 40 bis 50 % weniger Heizöl – und damit weniger CO2 – weil er unter 100° C produziert wird. Das verringert ebenso wirkungsvoll die Freisetzung von Dämpfen beim Einbau.“

LT-Asfalt ist seit rund fünf Jahren in Europa verfügbar, hat sich jedoch noch nicht in dem Maße durchgesetzt, wie seine Anhänger es sich wünschten. Dieser Umstand beginnt sich allerdings schnell zu ändern, betont Derk Goos.

„Neue Vorschriften, die in den Niederlanden 2010 eingeführt wurden, verlangen, dass Auftragsgebote im Straßenbau danach bewertet werden müssen wie ‚grün’ sie sind. Jetzt wird nicht mehr automatisch der preisgünstigste Baustoff ausgewählt“, unterstreicht Goos. „Das bringt etwas, denn so verlagert sich der Schwerpunkt weg vom billigsten Preis.“

Jenseits der Landesgrenze wurde LT-Asfalt vor kurzem in Belgien durch das nationale Straßenbauamt auf einem Autobahnabschnitt eingebaut. Einen ähnlichen Versuch plant auch die polnische Straßenbauverwaltung.