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Bitumen für Straßenbauanwendungen

29.06.2021 14:41

Neue Raffinerielandschaft

Die Auswirkungen von IMO 2020, Corona und der Schließung von veralteten Raffinerien hat die Vorteile des Know-hows und der Spezialisierung auf Bitumen vergrößert. Die Frage ist nur: Wer produziert in Zukunft Bitumen?

Zum 1. Januar 2020 hat die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) die Grenzwerte für Schwefeldioxidemissionen aus Schiffskraftstoffen von 3,5 auf 0,5 % gesenkt. Die neuen Richtlinien – allgemein als IMO 2020 bezeichnet – haben große Auswirkungen auf die Raffinerien, da viele Ölunternehmen ihre Produktion umstellen, um den Wandel zu leichterem Bunkeröl zu bewältigen.

„Die Auswirkungen von IMO 2020 sind geringer als erwartet, da die neuen Bestimmungen zeitgleich mit dem Aus-bruch der Corona-Pandemie kamen“, erklärt Wim Teugels, Crude & Feedstock Specialist von Nynas. „Die Nachfrage nach Kerosin, Diesel und Benzin sank dramatisch, da die Reisetätigkeit zum Stillstand kam, und ebenso sank die Nachfrage nach Schiffskraftstoffen, was einen enormen Druck auf die Rentabilität der Kraftstoffraffinerien ausübte.“ 

„Die direkte Folge der Pandemie war, dass viele Kraftstoffraffinerien ihre Produktion reduzierten, um die gesunkene Nachfrage und die Speicherkapazitäten auszugleichen. Nachdem sich die Lage endlich stabilisiert hat, bleibt immer noch ein Überschuss bei der Kraftstoffversorgung in Europa, was bedeutet, dass wir in den kommenden Jahren mit verringerten Raffineriekapazitäten rechnen müssen.“

Dieser Trend wird durch das rasche Wachstum bei Elektrofahrzeugen verstärkt. Im Zeitraum 2030 bis 2035 wird fast die Hälfte der Neufahrzeuge elektrisch betrieben sein.

Regionale Störungen

Neben den Herausforderungen, die durch IMO 2020 und die Corona-Pandemie gestellt wurden, durchläuft die Branche seit vielen Jahren einen Umstellungsprozess, bei dem viele veraltete, so genannte Gruppe-I-Raffinerien entweder aufgerüstet oder geschlossen wurden. Einige davon stellen nicht nur Grundöle, sondern auch Bitumen her.

„Rund die Hälfte der Raffinerien in Europa stellen Bitumen her“, sagt Teugels. „Doch dabei muss bedacht werden, dass Bitumen zumeist nur einen sehr kleinen Bestandteil der gesamten Produktion darstellt.“

Raffinerien mit einem hohen Anteil an schwerem Heizöl (HFO) sind besonders gefährdet. Viele von ihnen werden wahrscheinlich geschlossen oder auf die Verarbeitung von anderen Rohmaterialtypen umstellt.

Als eine Folge davon wird der europäische Markt, zusammen mit weiteren Exporten außerhalb von Europa, stärker ausgewogen sein.

„Die Kapazitätsreduzierungen der vergangenen Jahre werden ihre Auswirkungen zeigen, wenn sich die Nachfrage im Markt nach der Pandemie erholen wird. Dann wird weniger Bitumen für den Export verfügbar sein und die Raffinerien, die Bitumen erzeugen, werden ihre Auslastungsquote erhöhen müssen, damit die Bitumenproduktion rentabel bleibt.“ 

Höhere Spezialisierung

Vor diesem Hintergrund ist es keine Überraschung, dass in diesem Jahr bereits drei Bitumenhersteller angekündigt haben, dass sie Raffinerien schließen oder ihre Bitumenproduktion einstellen.

„Die vorhandenen Produktionskapazitäten können diese Verluste zunächst ausgleichen, aber dies kann Komplikationen in der Lieferkette verursachen“, erklärt Teugels. „Das Ergebnis ist, dass Bitumen eine zunehmende Spezialisierung erfordert, was die Wahl des Rohöls, der Logistik und der Mischanlagen angeht.“ 

Die Veränderungen, die sich im Öl-markt vollziehen, werden daher zu einer reduzierten Produktion von Bitumen führen – und dies zu einem Zeitpunkt, da die Nachfrage angesichts des allgemeinen Wirtschaftswachstums (BIP) voraussichtlich zunehmen wird.    

„Für Nynas ist der laufende Wandel günstig, da Bitumen für uns, anders als bei den meisten anderen Ölunternehmen, ein Kerngeschäft ist“, sagt Teugels. „Wir arbeiten jetzt mit einer Rohstoffpalette, die an unsere spezialisierte Produktion angepasst und auf Produkte ausgerichtet ist, die die von unseren Kunden verlangte Leistung erbringen.“

Wim Teugels ist Biochemieingenieur. Nachdem er einige Zeit das Labor in Antwerpen geleitet hat, war er als Technical Support Manager bei Nynas tätig. Zuletzt hat Teugels als Crude & Feedstock Specialist gearbeitet, eine Funktion, die die Evaluation einer große Anzahl an Rohölen für die Bitumenproduktion umfasste.

„Das Ergebnis ist, dass Bitumen eine zunehmende Spezialisierung erfordert.“

Wim Teugels, Crude & Feedstock Specialist, Nynas

Weiterführende Literatur

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Durch Nutzung eines selbstentwickelten Kaltrecycling-Verfahrens hat Aggregate Industries einen großen Schritt hin zu nachhaltigen Straßenbelägen gemacht.

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Langfristige Haltbarkeit

Die Haltbarkeit von Bitumen steht im Zentrum einer bahnbrechenden Zusammenarbeit zwischen Nynas und dem französischen Straßenbauunternehmen Colas. Im Mittelpunkt stehen rheologische Tests von alterungsbedingten Rissen.

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Investition in den Kundenwert

Seit 2014 betreibt Nynas ein Labor an der Universität Antwerpen. Im Januar wurde die Ausrüstung um ein neues, fortschrittliches Rheometer erweitert. Dies ermöglicht die Durchführung von allen rheologischen Standardtests in einem Temperaturbereich von minus 30 bis plus 200 Grad. Das neue Rheometer hat auch ein besonders hohes Drehmoment, sodass es eine hohe Belastung auf die Probe ausüben kann.

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