Debatte: Das europäische Strassennetz

Drei Branchenexperten über die Zukunft des europäischen Straßennetzes.

„ Mobilität kennt keine Grenzen: Ein einheitliches europäisches Konzept ist der beste Weg, um auf heutige Herausforderungen zu reagieren.“

Ismail Ertug

Deutsches Mitglied des Europäischen Parlaments, Ausschuss für Verkehr und Fremdenverkehr
Auf den Straßen Europas gibt es Probleme: Dauerstaus, altersschwache Brücken und löchrige Fahrbahndecken gehören zu den dringlichsten. Wir müssen investieren – in Reparaturen und Instandhaltung ebenso wie in den Infrastrukturausbau. Mobilität ist für mich ein ganzheitliches Konzept, das sich aus verschiedenen Verkehrsträgern zusammensetzt.

Die Beseitigung infrastruktureller Lücken zwischen den Mitgliedstaaten und zwischen verschiedenen Arten der Fortbewegung ist ein wichtiges Ziel der europäischen Verkehrspolitik. Die Connecting Europe Facility ist ein leistungsstarkes Instrument für die Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur. Der Europäische Fonds für strategische Investitionen (EFSI) bietet darüber hinaus Möglichkeiten der privaten Co-Finanzierung.

Innovative und umweltfreundliche Lösungen, wie z. B. neuartige Straßenbeläge und integrierte Technologien für kooperative Fahrzeugsysteme oder die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, sind im Kontext von Investitionen in den Straßenverkehr besonders wichtig. Gleichzeitig müssen nachhaltige, kollektive Verkehrsformen gefördert werden. Den Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern ist eine Möglichkeit, die Staus auf unseren Straßen zu verringern und das Verkehrswachstum zu steuern.

Ganz allgemein glaube ich, dass Mobilität keine Grenzen kennt: Ein einheitliches europäisches Konzept ist der beste Weg, um Antworten auf die Herausforderungen zu finden, denen sich Verkehrspolitik und Wirtschaft gegenüber sehen.

 

„Wir brauchen intelligentere Ausschreibungen“

Dr. Carsten Karcher
Director European Asphalt Pavement Association
I

n allen europäischen Ländern besteht ein krasser Mangel an Finanzmitteln für den Bau und die Instandhaltung von Straßen. Der Zustand des Straßennetzes verschlechtert sich zusehends, Sicherheit und Komfort nehmen ab, die Kraftstoff- und Wartungskosten für Fahrzeuge steigen. Es erfordert intensive Maßnahmen, um die Straßenverhältnisse auf einem akzeptablen Niveau zu halten. In Osteuropa liegt derweil der Schwerpunkt immer noch auf der Schließung von Lücken im Straßennetz.

Die Weiterentwicklung der Straßeninfrastruktur mit innovativen Mitteln wird durch traditionelle Ausschreibungssysteme verhindert, die stets den niedrigsten Preis begünstigen. Initiativen wie das „Green Public Procurement“- System (GPP), das Faktoren wie Recycling, Lärm und CO2-Emissionen berücksichtigt, und die neueste Ausschreibungsrichtlinie der Europäischen Kommission, in der auch die Lebenszykluskosten Berücksichtigung finden, könnten Abhilfe schaffen.

Wir brauchen intelligentere Ausschreibungssysteme, die der Straßenbauindustrie die Möglichkeit geben, ihre Innovationspotenziale auszuschöpfen und langlebigere, umweltfreundlichere Asphaltbeläge anzubieten. Könnte die Branche einfach die normalen Instandhaltungsarbeiten in den vorgegebenen Intervallen durchführen, würde schon dies zu spürbar besseren Straßenbelägen führen und zugleich die Voraussetzungen für mehr Verkehrssicherheit, weniger Emissionen, mehr Nutzerkomfort und mehr Beschäftigung schaffen.

Neuartige Asphaltbeläge sind gleichmäßig und eben, was zu weniger Lärmentwicklung, Rollwiderstand, Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß führt. Maßgeschneiderte Lösungen, wie z. B. rollwiderstandsarme Oberflächen und geräuscharme Asphaltmischungen, sind längst verfügbar und bieten noch größere Vorteile.

 

„Verstärkter Einsatz von Niedrigtemperatur- Technologien“

Jim ChristieBusiness Area Director Bitumen UK, NynasÜberall in Europa zeigen sich die Folgen der vergangenen Finanz- und Wirtschaftskrise am Zustand der Straßen. Schlaglöcher, Spurrillen und Risse sind weit verbreitet. Oft wird provisorisch ausgebessert, weil die Mittel für regelrechte Instandsetzungen fehlen. Immer mal wieder wird gefordert, Abfallstoffe wie Kunststoffpellets oder Splitt aus zerkleinertem Glas zu verarbeiten. Diese bieten jedoch keine nachweislichen Vorteile hinsichtlich der Leistungsfähigkeit oder Langlebigkeit eines Belags. Sie können sogar Probleme mit dem zukünftigen Recycling verursachen.

Ich glaube, die Baubranche und die Bitumenhersteller sind sich der Herausforderung CO2 sehr bewusst. Deshalb sehen wir jetzt eine größere Verbreitung innovativer Niedrigtemperatur- Technologien, wie z. B. Warmmix-Asphalt. Letztlich lebt jede moderne Gesellschaft von einer guten Verkehrsinfrastruktur. Deshalb wird es Zeit, dass die Mittel bereitgestellt werden, die für die Instandhaltung unseres Straßennetzes gebraucht werden – gründlich und mit den richtigen Materialien, damit die Ergebnisse optimal werden und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.

Nachhaltigkeit

Nachhaltige Steuerung

Eurobitume führt langfristige Maßnahmen durch, um seine Mitgliedern auf die künftigen Herausforderungen angesichts der sich wandelnden Marktbedingungen vorzubereiten. Ein Beispiel ist die Bildung der Bitumen Sustainability Steering Group (BSSG), die von Carl Robertus von Nynas geleitet wird.

Praxisbeispiel

Der Ryfylke-Tunnel, Norwegen

2013 wurde ein großes Bauprojekt gestartet – der Ryfylke- Tunnel, der genau zu Beginn des neuen Jahrzehnts in Betrieb genommen wurde. Dies ist der längste und tiefste Untergrund-Straßentunnel der Welt.

Sicherheit

Sicherheit geht vor

„Sicher nach Hause gehen“ lautete das Thema des Sicherheitstags bei Aggregate Industries.

Praxisbeispiel

Der Aufgabe gewachsen

Nynas spielt eine zentrale Rolle bei der Lieferkette für ein großes Straßenbauprojekt in England und stellte mehr als 20.000 Tonnen Bitumen in zeitkritischen Chargen bereit, damit die Arbeiten vorzeitig abgeschlossen werden konnten.

Notizen

Die Qualität hinkt hinterher

Roberto Crotti, World Economic Forum (WEF), über den Ausbau der europäischen Straßennetze.

Interview über Infrastruktur und Wettbewerbsfähigkeit


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