Debatte: Die COVID-19-Pandemie

Die anhaltende Pandemie hat alle Länder hart getroffen – gesundheitlich wie wirtschaftlich. Doch wie sieht die Lage in der Straßenbauindustrie aus?

„Alle zentralen Akteure arbeiten zusammen, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.“

Katri Eskola Expertin für Straßeninstandhaltung Finnische Straßenbaubehörde

Bislang können wir bestätigen, dass von der Straßenbauindustrie in Finnland keine signifikanten, von der COVID-19-Pandemie verursachten Probleme gemeldet wurden. Die Bauunternehmen haben bedeutende Vorkehrungen getroffen, um die Auswirkungen der Pandemie einzudämmen, und konnten ihre Straßenbauaufträge wie ursprünglich geplant ausführen.

Während der ersten Phase im Frühjahr 2020 wurde deutlich, dass durch den Lockdown die Zahl der Menschen sinkt, die auf den Straßen und Schienen unterwegs waren. Im Sommer verbrachten die meisten Finnen ihren Urlaub in Finnland, was die Zahl der Fahrzeuge auf den Straßen nach oben schnellen ließ. Dies wiederum erhöhte den Instandhaltungsbedarf.

Um die Lage effektiv überwachen zu können, die durch COVID-19 verursacht wurde, hat die finnische Straßenbaubehörde frühzeitig eine Expertengruppe eingesetzt. Die umgesetzten Maßnahmen machten es möglich, die laufenden Projekte trotz der Verkehrseinschränkungen fortzuführen. Alle öffentlichen Beschäftigten sollten bis August im Homeoffice arbeiten und praktisch alle Sitzungen fanden online statt. Dennoch liefen die Bauarbeiten ohne pandemiebedingte Probleme weiter.

Um die Konjunktur zu fördern, hat die finnische Regierung zusätzliche Mittel für bestimmte Industriezweige, darunter auch den Straßenbau, bereitgestellt. Das Geld wurde in erster Linie für die regelmäßige Instandhaltung und die Ausbesserung des Asphaltbelags auf Straßen und Asphaltflächen verwendet.

Die zusätzlichen Mittel werden benötigt, um den Zustand des Straßennetzes zu verbessern. Darüber hinaus hat der günstige Bitumenpreis eine Ausweitung der finnischen Asphaltierungspläne möglich gemacht. Alle wichtigen Akteure auf dem Asphaltmarkt arbeiten zusammen, um die bestmöglichen Ergebnisse in der durch COVID-19 verursachten, schwierigen Situation zu erzielen und ein beispielloses Asphaltierungsprogramm umzusetzen. Jetzt hoffen die Straßenbetreiber und Bauunternehmen, dass das höhere Volumen auch 2021 beibehalten wird und die Pandemie 2021 nicht zu einem Mangel an Ressourcen führt.

„Dadurch konnten wir mit der Nachfrage Schritt halten.“

Mike Osborne
Geschäftsführer von Ronez auf den Kanalinseln

Eine ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen Nynas, dem Spediteur des Unternehmens, den örtlichen Behörden und uns sorgte dafür, dass wir die beispiellosen Herausforderungen bewältigen konnten, vor denen wir während des Lockdowns im Zuge der COVID-19 standen. Unsere Asphaltwerke sind von wesentlicher Bedeutung dafür, dass der Verkehr auf Jersey und Guernsey rollt. Als langjähriger Lieferant liefert Nynas normalerweise Bitumen auf wöchentlicher Basis mit Hilfe der RoRo-Fähre von Portsmouth auf die beiden Inseln.

Als die Pandemie ausbrach, wurden Beschränkungen ausgerufen, um die Bewegung von Menschen zu begrenzen. Auf den Fährschiffen waren keine Passagiere zugelassen, was bedeutete, dass die Fahrer ihre Frachten nicht begleiten durften. Außerdem war der Flugverkehr auf die Inseln stark eingeschränkt. Weil aber für die Entladung von Bitumen speziell geschulte und qualifizierte Fahrer erforderlich sind, mussten wir einen Weg finden, um diese Fahrer sicher auf die Inseln zu bringen.

Paul Lamb, der Arbeitsschutzleiter von Nynas UK, Vertriebsleiter Chris Rhodes und das übrige Vertriebs- und Logistikteam in Großbritannien handelte sehr schnell und setzte eine Lösung um, mit der unbegleitete Tankfahrzeuge auf der Fähre transportiert wurden, während ein Fahrer mit dem Flugzeug anreiste, um die sichere Entladung zu überwachen. Dies wurde mit Hilfe von Suttons Transport Services organisiert, so dass drei spezialisierte Fahrer im Turnus mit sicheren Taxis reisen konnten und in Hotels isoliert untergebracht wurden. Dieser Prozess musste jedes Mal mit dem Zoll abgestimmt werden, der diese zentrale Versorgungsroute für lebensnotwendige Güter überwachte.

Obwohl sehr viel Organisation und Logistik erforderlich waren, konnten wir die erste Lieferung nach diesem Konzept Anfang April, kurz nach dem Lockdown, durchführen. Dadurch konnten wir mit der Nachfrage nach Asphalt auf den Inseln Schritt halten und Straßen reparieren, während der Verkehr noch schwach war.

Seit August sind die Regelungen für Einreisetests auf Jersey gelockert worden, doch der Betrieb ist immer noch recht kompliziert. Wir bei Ronez sind Nynas für den Einsatz sehr dankbar

„Ein besseres Verständnis für den sozioökonomischen Nutzen eines gut verwalteten Straßennetzes“

Johanna Andréasson Marketing Manager Nynas Bitumen

Im Jahresverlauf von 2020 haben wir aufgrund der COVID-19 eine beispiellose Situation erlebt. Die Maßnahmen zur Begrenzung der Ausbreitung des Virus variieren von Land zu Land. Ebenso sind die Auswirkungen auf den Straßenbausektor je nach Land unterschiedlich – von nahezu ausbleibenden Auswirkungen in Nordeuropa bis zu einer starken Marktschrumpfung im Süden. Die Branche wurde sowohl von einer Verlangsamung in bestimmten Märkten aufgrund des Lockdowns als auch von einem Nachfrageanstieg in anderen Märkten, bedingt durch die staatlichen Förderprogramme, beeinflusst. Ebenso wurde die Branche von der Preisdynamik beeinflusst, die durch den dramatischen Rückgang bei der Kraftstoffnachfrage verursacht wurde.

Was können wir erwarten, wenn die Pandemie vorüber ist? Ein Vergleich mit der Finanzkrise 2008 zeigt, dass die Nachfrage dank der rasch verabschiedeten Finanzpakete in den Jahren nach Ausbruch der Krise nicht gesunken ist. Dies führte zu einer erhöhten Aktivität in der Frühphase der Krise mit einem unerreichten Nachfragehoch 2010.

In den Jahren danach erlebten wir jedoch den stärkten Markteinbruch in Europa seit Jahrzehnten. Der Nachholbedarf bei der Straßeninstandhaltung, der hierdurch verursacht wurde, stellt in den meisten betroffenen Ländern immer noch eine große Herausforderung dar.

Auch wenn die gegenwärtige Situation einzigartig ist, bleibt doch die Frage bestehen: Wie können wir gewährleisten, dass sich die Muster aus der Finanzkrise nach der Pandemie nicht wiederholen?

Es lässt sich natürlich nur schwer vorhersagen, was geschehen wird. Wir befinden uns noch mitten in der Pandemie und niemand kennt deren gesamten Auswirkungen. Doch hoffentlich entsteht insgesamt ein besseres Verständnis für den sozioökonomischen Nutzen eines gut verwalteten Straßennetzes. Um einen erneuten starken Einbruch zu vermeiden, müssen die Interessenvertreter innerhalb und außerhalb der Straßenbauindustrie ihre Stimme erheben. Damit wieder Wachstum entsteht, müssen unsere Straßen funktionsfähig sein

Praxisbeispiel

Sichere Arbeit in Surrey

Obwohl sehr viele Oberflächenversiegelungs- und andere Straßenbauarbeiten während des britischen Lockdowns ausgesetzt wurden, konnte der Nynas-Kunde Hazell & Jefferies Ltd. aus Oxford seine Kunden überzeugen, dass auch während der strengen Einschränkungen sicher gearbeitet werden konnte.

Notizen

Ein treuer Diener sagt Lebewohl

Nach 35 Jahren im Dienste von Nynas ist Peter Bäcklund aus dem Rampenlicht getreten.

Notizen

Schiff mit wertvoller Ladung

Dies ist nicht irgendein Schiff – mit einer Ladekapazität von 180.000 Kubikmetern ist es der größte Öltanker, der Nynäshamn in 30 Jahren besucht hat.

Sicherheit

Verantwortung für unsere Produkte und deren Auswirkungen

Es ist ein generelles Ziel von Nynas, die Auswirkungen seiner Produkte auf Gesundheit, Sicherheit und Umwelt zu minimieren. Eine Schlüsselrolle hierbei spielt Product HSE.

Notizen

Die Qualität hinkt hinterher

Roberto Crotti, World Economic Forum (WEF), über den Ausbau der europäischen Straßennetze.

Interview über Infrastruktur und Wettbewerbsfähigkeit


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