Frauen im Straßenbau

Drei erfolgreiche Frauen berichten von ihren Erfahrungen bei der Arbeit in einer von Männern dominierten Branche.

"Keine Branche kann es sich leisten, 50 % des Arbeitsmarkts zu ignorieren."

Dr. Anja Sörensen

Geschäftsführerin Eurobitume Deutschland
Nach vielen Jahren in der Bitumen- und Asphaltindustrie kann ich sagen, dass der Straßenbaubereich immer noch eine Männerdomäne ist, auch was die Art betrifft, wie man miteinander umgeht. Ich habe sogar schon männliche Freunde bitten müssen, als „Übersetzer“ einzuspringen und mir die verbalen und non-verbalen Kommunikationsmuster zu erklären.

In der Bitumenindustrie selbst ist der Frauenanteil in technischen Berufen seit Jahren verhältnismäßig hoch. Das liegt wahrscheinlich an der engen Verbindung zur Chemie und zur Verfahrenstechnik. Außerhalb der Industrie gibt es immer noch Widerstand, wenn es darum geht, jüngere Kollegen zu akzeptieren, insbesondere Frauen. Die Situation hat sich zwar etwas gelockert, aber es könnte weitaus besser sein. Obwohl sich immer mehr junge Frauen für Chemie und Verfahrenstechnik interessieren, scheinen sie meist in anderen Branchen unterzukommen als in der Bitumenund Asphaltindustrie, die als eher konservativ gilt.

Wenn Themen wie Generationswechsel und die Zukunft der Branche diskutiert werden, wird die Tagesordnung in der Regel von Männern mittleren Alters gesetzt. Stattdessen sollten wir aber die jungen, kompetenten Frauen und Männer in der Branche fragen, was sie vom Arbeitsleben erwarten: Wie lauten ihre Anforderungen, Ansichten und Visionen in Bezug auf die heutigen gesellschaftlichen Entwicklungen? Keine Branche kann es sich leisten, 50 % des Arbeitsmarkts zu ignorieren, schon gar nicht in Zeiten, in denen die Fachkräfte knapp werden.

Solange sich die Branche wie eine Männerwelt geriert, wird es schwer sein, kompetente junge Frauen zu rekrutieren, denen ja auch andere interessante Wirtschaftszweige offen stehen. Ich war immer gegen Quoten, um eine Gleichstellung der Geschlechter herzustellen, doch angesichts der Realitäten habe ich meine Meinung geändert. An dem Tag, an dem Gleichstellung die Norm ist und wir nicht mehr darüber zu reden brauchen, werden wir alle Sieger sein.

Das ausführliche Interview mit Anja Sörensen:

  

"In gemischten Gruppen aus Männern und Frauen gibt es mehr Rundumdenken und Harmonie."

Juliet Sargant

General Manager Asphalt Brett Aggregates Ltd
Nach 28 Jahren in der Steinbruchbranche kann ich wirklich sagen, dass sich hinsichtlich der Chancengleichheit für Männer und Frauen etwas tut. Als Frau musste ich für jede neue Stellung in dieser Branche hart arbeiten, es war wirklich ein steiniger Weg. Auch heute muss ich noch beweisen, dass ich etwas von dem verstehe, worüber ich rede, und ich muss meinen Charme einsetzen, um die Leute zu überzeugen.

Die Dinge verändern sich langsam. Doch Männer und Frauen müssen zusammenarbeiten, um Haltungen zu verändern, damit wir alle etwas davon haben. Wir brauchen mehr Frauen in der Branche, um unsere Perspektiven zu erweitern. Frauen denken globaler und haben eine andere Herangehensweise, um Beispiel wenn es um Gesundheit und Sicherheit geht. In gemischten Gruppen aus Männern und Frauen gibt es mehr Rundumdenken und Harmonie. Besonders auf der operativen Ebene sind die Frauen in der Belegschaft stark unterrepräsentiert; der Weg ist noch weit.

Ich habe mich nicht bewusst für eine von Männern dominierte Branche entschieden. Als ich aus der Schule kam, wollte ich Krankenschwester werden und nahm erstmal einen Bürojob an. Der machte mir aber Spaß, und dann hatte ich die Möglichkeit, mich zur Buchhalterin fortzubilden. Ich habe hauptsächlich im Wirtschafts- und Finanzbereich der Branche gearbeitet. Eine meiner Stellen war jedoch glücklicherweise auf der operativen Seite angeordnet. Jede meiner bisherigen Rollen hat mich ein Stück weiter auf meine Aufgaben als Geschäftsführerin vorbereitet.

Wäre meine Karriere schneller verlaufen, wenn ich ein Mann wäre? Wer weiß? Ich bin glücklich, wo ich jetzt bin, und habe Freude an meinem Job in einer für mich interessanten und aufregenden Branche, in der viele neue Produkte entwickelt werden. Ich arbeite sehr gern mit Menschen zusammen und bewege gern etwas.

 

"Frauen im Beruf sind Rollenmodelle."

Anna Keereweer
Site Manager Nynas Raffinerie Göteborg
Nie Nynas Raffinerie in Göteborg stellt hauptsächlich Bitumen her. Als Betriebsleiterin bin ich dafür verantwortlich, dass die Produktion sicher und effizient abläuft. Zu meinen Aufgaben gehört das Erstellen von strategischen Plänen und Zielvorgaben sowie deren Umsetzung. Bislang bin ich in meiner beruflichen Laufbahn glücklicherweise nie anders oder schlechter behandelt worden, weil ich eine Frau bin. Im Gegenteil: Man schätzt mich aufgrund meiner Sachkompetenz und meiner persönlichen Qualitäten.

Das mag unter anderem daran liegen, dass in unseren Raffinerien relativ viele Frauen in Ingenieurberufen tätig sind. In der Produktion hingegen ist es recht schwer, Frauen einzustellen. Wahrscheinlich glauben viele immer noch, dass ein solcher Beruf körperlich zu anstrengend ist. Das hat sich durch die zunehmende Automation jedoch verändert. Heute brauchen wir eher Personal, das sich in einem Kontrollraum bewährt, Zusammenhänge erkennt und in der Lage ist, verschiedene Situationen zu analysieren. Diese Veränderungen könnten tatsächlich zu mehr weiblichen Bewerberinnen führen.

Ein positives Signal ist die Tatsache, dass immer mehr Student- innen sich bei uns um Sommerjobs bewerben. Das kann ein guter Einstieg in den Beruf sein. Ich glaube auch, dass wir künftig mehr mit berufsvorbereitenden Bildungsinstitutionen zusammenarbeiten sollten, die für unsere Branche relevant sind. So können Frauen, die bereits im Beruf sind, auch eher als Rollenmodelle für heranwachsende Frauen dienen.

Quoten sind eher nicht mein Ding, das Hauptaugenmerk sollte immer auf den Kompetenzen der jeweiligen Person liegen. An einem Arbeitsplatz mit einer relativ ausgeglichenen Geschlechterverteilung kann man mit Recht erwarten, dass man als Frau nicht nachteilig behandelt wird – dass einem keine Steine in den Karriereweg gelegt werden und dass niemand einen schikaniert oder belästigt.

Sicherheit

Sicherheitsüberprüfung im Asphaltwerk

Nynas besucht eines der Asphaltwerke des skandinavischen Baukonzerns NCC in der Nähe des Stockholmer Flughafens Arlanda.

A90 Dundee
Praxisbeispiel

In gutem Zustand

Die meisten Straßenbaubehörden in Großbritannien betrachten Kaltasphalt als neuen, relativ unerprobten Straßenbelag. Dabei haben sie sich seit über zehn Jahren im Land bewährt, zum Beispiel auf dem Abschnitt einer Fernverkehrsstraße in Schottland, dessen Fahrbahn 2008 mit einer Tragschicht aus Kaltasphalt ausgebaut wurde.

Sicherheit

Know-how für sichere Lieferungen

Bitumen wird heiß angeliefert. Deshalb sind ganz bestimmte Abläufe vorgeschrieben, die Gefahren, wie z. B. Verbrennungen, minimieren sollen. Sicherheit steht bei der Spedition Kördel stets im Fokus.

Field silo
Nachhaltigkeit

Vorwärts mit Biokraftstoffen

In Schweden werden die Bitumenprodukte von Nynas fast ausschließlich mit Tanklastwagen transportiert, die mit Biokraftstoff fahren.

Notizen

Eine Straße, die so smart ist, dass Sie Ihr E-Auto laden kann.

Bloomberg über die Entwicklung von intelligenten Autobahnen in China.
Mehr unter: bloomberg.com


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