Der Weg zu einer neuen Mobilität

Eine internationale Vergleichsstudie hebt die Rolle der Straßenbauindustrie beim Umbau der Straßeninfrastruktur und der Entwicklung von neuen Mobilitätsformen hervor.

„Die Straßeninfrastruktur ist ein Kernstück bei der Entwicklung von neuen Mobilitätsformen“, erklärt Amélie Schäfer, Policy Officer for European and International Affairs beim Weltverband der Bauwirtschaft (CICA).

Sie ist Mitglied der Lenkungsgruppe für die Untersuchung „International Benchmark 2020 — New Mobility & Road Infrastructure“, die neue Tendenzen identifizieren und den Interessenvertretern der Branche Stoff zum Nachdenken geben möchte.

Die Studie konzentriert sich auf autonomes, vernetztes und emissionsarmes und -freies Fahren und urbane Mobilität. Sie kommt dabei zum Schluss, dass die Rolle der Straßeninfrastruktur bei der Entwicklung von neuen Mobilitätsformen im Allgemeinen unterschätzt wird.

„Wenn wir von neuen Mobilitätsformen sprechen, konzentrieren wir uns oft auf die Automobil- oder Telekommunikationsindustrie und vergessen darbei die Grundlagen – die Straßeninfrastruktur“, argumentiert Amélie Schäfer.

Besonders in Europa steht der Straßenbausektor vor großen Herausforderungen. 75 % der Menschen in Europa leben in urbanen Bereichen und der Straßenverkehr steht für mehr als drei Viertel des inländischen Passagiertransport und über 70 % der inländischen Warentransporte. Die Straßen spielen somit eine wichtige Rolle bei der Einhaltung der Klimaziele und stehen vor großen Veränderungen und wachsenden Anforderungen. Dies wiederum verlangt nach größeren Kompetenzen im Straßenbausektor einschließlich der zuständigen Behörden.

„Bislang haben sich die europäischen Investitionen stark auf die Schiene konzentriert, doch die Straßen sind besser anpassbar als die Schienen und in den kommenden 20 bis 30 Jahren werden die meisten Transporte weiter auf der Straße erfolgen“, sagt Projektleiter Simon Gianordoli von der European Union Road Federation (ERF).

Innovative Knotenpunkte

Die Hauptbotschaft der Untersuchung ist, dass die Instandhaltung und Anpassung der Straßeninfrastruktur eine Vorbedingung für die Entwicklung und Förderung von neuen Mobilitätsformen ist, die wiederum ökologische Fortschritte und die Energiewende voranbringen. In der Studie heißt es weiter: „Signifikante öffentliche Investitionen werden benötigt, um diesen Wandel zu beschleunigen, insbesondere durch das künftige Europäische Konjunkturprogramm.“

Während die Studie Europa detailliert analysiert, deckt sie insgesamt 20 Länder in aller Welt ab. Erfahrungen aus Nordund Südamerika und Asien dienen hauptsächlich als Referenzpunkte.

Aus einer internationalen Perspektive sind die Strategien in Europa gut entwickelt und mehrere Länder haben noch weitergehende Pläne vorgelegt. Für die kommenden Jahre erwartet Gianordoli das Aufkommen innovativer Knotenpunkte überall in Europa, die nach führenden Experimenten beispielsweise in den Niederlanden modelliert sein werden.

„Bei der Entwicklung der neuen Mobilität sind gemeinsame Regeln sehr wichtig und die Projekte müssen grenzüberschreitend sein“, sagt er. „So brauchen wir für Elektroautos ein europaweites Netz an Ladestationen.“

Im Blick auf die Bedeutung der Straßenqualität sagt Gianordoli, dass die physische Infrastruktur, Instandhaltung und Materialien mit reduzierten Klimaauswirkungen in der Straßenbauindustrie hohe Priorität haben sollten. Dies umfasst Maßnahmen, die auf die Optimierung der Prozesse und für die Straßenbeläge verwendeten Materialien und den Lebenszyklus dieser Materialien abzielen.

International Benchmark 2020 – New Mobility & Road Infrastructureist eine internationale Vergleichsstudie, die von Routes de France, der European Union Road Federation (ERF), der Fédération Nationale des Travaux Publics (FNTP), dem Verband der Europäischen Bauwirtschaft (FIEC) und dem Weltverband der Bauwirtschaft (CICA) durchgeführt wird.

„Für mich war die Verschlechterung bei der Straßeninstandhaltung eine der großen Überraschungen der Studie“, sagt er. „Besonders in Frankreich gibt es eine riesige Lücke zwischen der Qualität der Haupt- und der der Nebenstraßen.“

Flexibilität der Straßen

Die Vergleichsstudie wurde zwischen März 2019 und März 2020 durchgeführt, also vor Ausbruch der Coronapandemie. Eine zweite Phase, die sich auf zehn europäische Länder konzentriert, berücksichtigt Entwicklungen bei Mobilität und Straßeninfrastruktur, die von der Pandemie beeinflusst sind.

Obwohl die Pandemie dazu geführt hat, dass viele Pläne aufgeschoben und Zusagen umgeschrieben werden müssen, hat sie den Wandel in einigen Fällen vielleicht sogar beschleunigt.

„Die Flexibilität der Straßen ist offensichtlich geworden und einige der neuen Pop-up-Radwege, die während der Pandemie entstanden sind, sind zu dauerhaften Radwegen geworden“, sagt Gianordoli.

„Wir haben aber auch gesehen, dass der öffentliche Nahverkehr nahezu ausgestorben ist.“

„Das hat uns vor Augen geführt, vor was für einer großen Aufgabe wir stehen“, bemerkt Amélie Schäfer.

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Debatte: Die COVID-19-Pandemie


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