PMB hebt ab

Skanska hat große Teile der Startbahn am Flughafen Göteborg- Landvetter instandgesetzt. Bitumen Matters war dabei und durfte eine Nacht intensiver Arbeiten mit hoher Schlagzahl beobachten.

Der Flughafen Göteborg-Landvetter wurde 1977 eröffnet. Er ist der zweitgrößte internationale Flughafen Schwedens mit rund 90 Direktverbindungen und knapp sieben Millionen Passagieren pro Jahr. Der rapide Verkehrszuwachs stellt hohe Anforderungen an die technische Leistungsfähigkeit der Start- und Landebahnen. Ein sorgfältig ausgearbeiteter Instandhaltungsplan sieht daher laufende Verbesserungen vor.

Vor einigen Jahren wurden auf dem Vorfeld die Taxiways saniert, und dieses Frühjahr erhielt die Start- und Landebahn eine neue Deckschicht. Angesichts des Alters der Startbahn und wegen des Vorhabens, Messfühler für das Eiswarnsystem einzubauen, beschloss die staatliche Swedavia als Flughafenbetreiber auch die Erneuerung der darunterliegenden Asphaltschichten.

„Solche Vorhaben erfordern umfassende Planung, denn sie unterscheiden sich von anderen Instandsetzungsprojekten. Insbesondere gelten hier enge Zeitvorgaben, eine Abfolge zahlreicher Arbeitsphasen und strenge Sicherheits- und Qualitätsvorgaben. Alles muss ineinandergreifen“, erklärt Tobias Pålsson, der bei Skanska für das Projekt zuständige Quality Manager.

„Die Tatsache, dass wir nachts arbeiten, ist eine weitere Herausforderung, denn ab 6.00 Uhr morgens müssen die ersten Maschinen starten und landen können. Backup-Pläne wurden aufgestellt, um für Unvorhergesehenes gewappnet zu sein. So war beispielsweise ständig ein Autokran am Platz, um etwa defekte Baumaschinen schnell entfernen zu können.“

Die Planung der Instandsetzung begann bei Skanska im Oktober 2018. Außer auf die Koordinierung von Meetings mit der Flughafenleitung und der Firma, die die Eissensoren installieren sollte, wurde viel Zeit auf die Festlegung des geeigneten Bindemittels verwendet.

„Wir haben verschiedene Bindemittelqualitäten und Asphaltmischungen mit praktisch allen verfügbaren Verfahren getestet“, erinnert sich Pålsson. „Alle Mischungen wurden anhand der kundenseitigen Anforderungen an eine dichte, stabile Oberfläche mit langer Lebensdauer getestet. Da es sich um ein kostenintensives Projekt mit vielen Beteiligten handelte, wollten wir nur die besten Produkte verwenden.“

Die umfassende Instandsetzung fand im Mai statt und betraf den mittleren Abschnitt der Start- und Landebahn von etwas über 1.500 m Länge bei einer Breite von 40 m — insgesamt rund 67.500 m2. Sämtliche Arbeiten wurden nachts durchgeführt. Im Einsatz waren unter anderem vier Fräsen, zwei große Asphaltfertiger, zwei Asphaltbeschicker, zwei Asphaltmischanlagen und 25 Muldenkipper. Skanska war mit fast 100 Beschäftigten vor Ort.

„Wir haben 120 mm der Runway-Oberfläche abgetragen und mit neuen Asphaltschichten aufgefüllt – insgesamt rund 20.000 Tonnen“ erklärt Pålsson. „Zuerst haben wir zwei Binderschichten von zusammen 100 mm Stärke mit Nynas Endura Z3 als Bindemittel aufgebracht, gefolgt von einer 20 mm dünnen Deckschicht mit unserer eigenen Spezialemulsion Duraflex, die ebenfalls bei Nynas hergestellt wird.“

Es ist wichtig, dass die Deckschicht die Funktion erfüllt, die Tragschichten vor Wasser zu schützen und zugleich eine sichere Griffigkeit zu bieten. Zugleich muss sie schnell zu erneuern sein, um die Instandhaltung zu erleichtern. Aus diesen Gründen entschied man sich am Flughafen Göteborg-Landvetter für eine dünne Deckschicht auf der Startbahn, wie es einige Jahre zuvor am Flughafen Kopenhagen-Kastrup mit guten Ergebnissen vorgemacht worden war.

Für die Binderschichten erwies es sich als vorteilhaft, ein modifiziertes Bindemittel einzusetzen, das hohe Steifigkeit bringt, wie z. B. Nynas Endura Z3. Es sorgt für eine erhöhte Standfestigkeit in dem Aufbau.

„Rein technisch hätten wir ein Standardbitumen (70/100) verwenden können. Wir haben uns jedoch für ein polymermodifiziertes Bindemittel entschieden, um höchste Qualität zu erzielen. Man darf nicht vergessen, dass der Asphalt in derart weitem, offenem Gelände sehr heiß wird, im Sommer bis zu 55 °C. Ein stark modifiziertes Bindemittel verhindert da die Verformung“, sagt Pålsson abschließend.

Forschung

Weniger Spurrinnenbildung

Dank eines neuen Vorhersageinstruments für die Verformung von Asphalt kann Nynasdie Vorteile von polymermodifiziertem Bitumen (PMB) in Asphaltbelägen nachweisen.Weniger bleibende Verformung ist gleich weniger Instandsetzung.

Interview

Fokus auf die Zukunft in Athen

Carl Robertus, Technical & Research Director Nynas Bitumen, berichtet über seine Erwartungen für die Argus European Bitumen and Asphalt Conference in Athen.

Interview

Bessere Straßen = Mehr Wettbewerbsfähigkeit

Ausbau und Instandhaltung der Straßennetze sind wirkungsvolle Maßnahmen für Länder, die ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern wollen. Roberto Crotti vom World Economic Forum erklärt warum.

Sicherheit

Einen kühlen Kopf bewahren

Bitumen wird bei hohen Temperaturen verarbeitet. Deshalb werden wichtige Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um das Verbrennungsrisiko zu minimieren.

Notizen

Die Qualität hinkt hinterher

Roberto Crotti, World Economic Forum (WEF), über den Ausbau der europäischen Straßennetze.

Interview über Infrastruktur und Wettbewerbsfähigkeit


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