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Bitumen für Straßenbauanwendungen

25.02.2021 16:16

Debatte: Straßeninstandhaltung – eine europäische Herausforderung

Die fehlenden Mittel für die Straßeninstandhaltung sind ein wachsendes Problem in Europa. Weitreichende Maßnahmen sind jetzt nötig, um eine weitere Verschlechterung zu verhindern.

 

„Wir müssen die zusätzlichen Kosten hervorheben, die durch einen Aufschub der Instandhaltungsarbeiten entstehen.”

Wie in den meisten europäischen Ländern zählt auch in Frankreich die Instandhaltung der Infrastruktur zu den größten Herausforderungen. Das ist ein komplexer Bereich und die getroffenen Maßnahmen müssen sich in eine allgemeine Strategie einfügen, die den Erneuerungsbedarf mit den verfügbaren Budgets in Einklang bringt.

Der Instandhaltungsbedarf bei den Straßen lässt sich nur schwer quantifizieren, da er von verschiedenen Parametern abhängt. Um genauere Schätzungen zu bekommen, haben die nationalen und lokalen Straßenbaubehörden in Frankreich ein gemeinsames Instrument geschaffen, die Beobachtungsstelle für die Nationalstraßen. Das ist ein wichtiger Schritt zur Bewertung der technischen und finanziellen Verwaltung des Straßennetzes und einer angemessenen Prioritätensetzung angesichts des alternden Straßennetzes und der angespannten öffentlichen Finanzlage. Diese Arbeiten werden vom IDRRIM gesteuert, das die öffentlichen und privaten Akteure im Bereich der französischen Transportinfrastruktur zusammenführt.

Die Konsequenzen einer unzureichenden Instandhaltung liegen auf der Hand. Wir benötigen solide Kenntnisse darüber, wie sich der Zustand des Straßennetzes durch drei Hauptfaktoren beeinträchtigt wird: die Klimabedingungen, die Verkehrsund Betriebsbedingungen und die Konstruktionsverfahren. Auf diese Weise werden wir genauer beurteilen können, wie bestimmte Verbesserungsmaßnahmen die Nutzungsdauer der Straßen beeinflussen.

Die Erfahrung zeigt, dass durch eine regelmäßige Instandhaltung ernste Verschlechterungen des Straßenzustands und dadurch erforderliche Eingriffe verhindert werden können, die kostspielig sind und zu Störungen des Verkehrsflusses führen. Man spricht hierbei oft von grauen Schulden. Das sind Schulden, deren Summen verdeckt sind und die zunehmen, wenn keine Maßnahmen getroffen werden. Wir müssen diese finanziellen Auswirkungen quantifizieren und damit die zusätzlichen Kosten erfassen und hervorheben, die durch einen Aufschub der Instandhaltungsarbeiten entstehen.

Didier Colin, Geschäftsführer IDRRIM – Institut für Straßen, Wege & Infrastruktur für Mobilität

 

„Wir müssen davon wegkommen, immer nur über den Preis zu reden.“

Der Instandhaltungsstau beim 70.000 Kilometer umfassenden öffentlichen Straßennetz in Dänemark umfasst derzeit rund 520 Millionen Euro. Dieser Betrag schrumpft, und einer der Gründe hierfür ist, dass unsere 98 Kommunalverwaltungen 2020 aufgrund der Coronapandemie proaktiv Straßenbauarbeiten vorgezogen haben.

Bei den Nationalstraßen – insgesamt 3.500 Kilometer – ist der Nachholbedarf ausgeglichen worden. Doch mit Blick auf die Zukunft reichen die für diesen Teil des Straßennetzes zugewiesenen Mittel nicht aus. Bis 2023 wird sich das Instandhaltungsdefizit auf bis zu 190 Millionen Euro belaufen.

Staus und Unfälle gehören zum Alltag auf den besonders befahrenen Straßen, zum Beispiel der E45 auf Jütland, der E20 auf Fünen und im Hauptstadtbereich Kopenhagen. Das Verkehrsaufkommen nimmt weiter zu und es fehlen neue Straßen für die zunehmende Belastung und die Elektrofahrzeuge der Zukunft.

Die dänische Regierung hat zugesagt, 2021 einen auf zehn Jahre angelegten Infrastrukturplan in Höhe von 8,7 Milliarden Euro vorzulegen, um die Infrastruktur zukunftsfest zu machen. Ein Teil dieser Mittel wird in unsere Straßen fließen. Dies ist etwas, was die Industrie seit vielen Jahre gefordert hat.

Die Erneuerung von abgenutzten Straßen kostet zwei oder drei Mal so viel wie eine rechtzeitige Instandhaltung. Straßen mit Schlaglöchern und Rissen, schlechte Markierungen und vernachlässigte Seitenstreifen tragen ebenfalls zu mehr Unfällen und einer reduzierten Befahrbarkeit bei. Hinzu kommt die Integration von Klimaschutzaspekten in die Ausschreibungen und zum Beispiel die Anforderung der Recycelbarkeit und der Verwendung von Straßenbelägen, auf denen die Fahrzeuge kraftstoffsparend fahren können. Wir müssen davon wegkommen, immer nur über den Preis zu reden. Wir müssen den langfristigen Wert für die Gesellschaft bewerten, indem wir für klimafreundliche Lösungen heute mehr Geld ausgeben und damit auf lange Sicht Vorteile erzielen.

 Anders Hundahl, CEO Asfaltindustrien Denmark

 

„Die angegebenen Summen werden nicht ausreichen, um den milliardenschweren Investitionsstau zu beseitigen.“

Die Asphalt Industry Alliance (AIA) veröffentlicht eine jährliche Untersuchung – Annual Local Authority Road Maintenance (ALARM) –, in der die Entwicklung des britischen Straßennetzes beschrieben wird. Seit der Veröffentlichung des ersten Berichts 1995 haben die nachfolgenden ALARM-Berichte nahezu stagnierende Niveaus bei den Investitionen aufgezeigt, trotz eines alternden Netzes, immer schwererer Fahrzeuge, eines zunehmenden Verkehrsaufkommens und einer Zunahme von Extremwetterlagen aufgrund des Klimawandels. Die jüngste Version (2020) stellt dar, dass es elf Jahre dauern und 11,14 Milliarden GBP kosten würde, um das regionale Straßennetz in einen Zustand zu bringen, in dem es danach kostengünstig instandgehalten werden könnte.

Mit den gegenwärtigen Budgets sind die lokalen Straßenbaubehörden nicht in der Lage, alle Teile des Netzes angemessen instandzuhalten. Hauptstraßen werden gegenüber Nebenstraßen bevorzugt, obwohl die Nebenstraßen wie etwa Wohnstraßen, was die Länge betrifft, tatsächlich den größten Anteil am Straßennetz darstellen. Dies hat dazu geführt, dass die Asphaltdecke bei Hauptstraßen im Schnitt alle 33 Jahre erneuert wird, während dies bei Nebenstraßen nur alle 119 Jahre geschieht. Das Ungleichgewicht bei der Mittelvergabe zur Instandhaltung der verschiedenen Teile des Straßennetzes zeigt sich auch darin, dass das Strategic Road Network (SRN), das Autobahnen und Fernstraßen umfasst, mehr als 20 Mal so viele Investitionen pro Meile für die Instandhaltung erhält als die regionalen Straßen.

Da ist es sehr erfreulich, dass die Regierung für die Jahre 2021 und 2022 Ausgaben in Höhe von 1,125 Milliarden GBP für die Instandhaltung von regionalen Straßen plant, darunter 500 Millionen GBP für die Schlaglochbeseitigung. Dadurch würde sich der Zustand der regionalen Straßen verbessern und vor allem die Bildung von Schlaglöchern verhindert. Im vergangenen Jahrzehnt wurde über eine Milliarde GBP ausgegeben, um Schlaglöcher zu finden und aufzufüllen. Welche Verschwendung!

Solche Ausgabenverpflichtungen sind in angespannten Zeiten wie diesen willkommen, doch ist uns bewusst, dass die angegebenen Summen nicht ausreichen werden, um den milliardenschweren Investitionsstau bei der Straßeninstandhaltung zu beseitigen. Der Zustand unseres alternden Straßennetzes wird sich weiter verschlechtern.

David Giles, Geschäftsführer von Eurobitume für Großbritannien und Direktor der AIA

Weiterführende Literatur

Ein dach über ihrem kopf

Mit der entsprechenden Bitumensorte lassen sich kostspielige und teure Dachrenovierungen vermeiden. Nynas ist einer der führenden Hersteller von Bitumen.

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